Der Hund, der meine Kinder erzogen hat
Bruno kam an einem Samstag im Oktober zu uns, und ich war dagegen gewesen. Ein Hund, hatte ich gesagt, das macht Arbeit, und die Arbeit bleibt am Ende an mir hängen. Damit hatte ich sogar recht. Zugeben musste ich es nie — nach zwei Wochen hat mich keiner mehr gefragt.
Die Kinder waren sechs und neun, und sie haben ihn nach unserem Nachbarn benannt, den sie mochten. Dem Nachbarn haben wir das nie erzählt. In der ersten Nacht hat Bruno unter Katharinas Bett gejault, jede halbe Stunde. In der zweiten Nacht lag er oben drauf, den Kopf auf ihrem Kissen, und hat geschnarcht wie ein alter Mann. Danach haben wir aufgehört zu diskutieren.
Er hatte zwei Talente. Das erste war die Kühlschranktür, die er mit der Schnauze aufbekam, wenn wir draußen im Garten saßen. Das zweite war Timing: Gebettelt hat er nie, solange Besuch da war. Er hat gewartet, bis der Letzte aus der Tür war, und sich dann vor den Kühlschrank gesetzt, als hätten wir beide das so verabredet.
Als er alt wurde, kam er die Treppe nicht mehr hoch. Dann hat ihn Thomas jeden Abend getragen. Ein Sechzehnjähriger, der mit uns kaum noch ein Wort geredet hat, ist ein halbes Jahr lang jeden Abend mit dreißig Kilo Hund auf dem Arm die Stufen hochgestiegen und hat ihn oben ins Körbchen gelegt. „Schlaf gut, Bruno“, hat er dann gesagt. Sonst nichts.
Wenn mich heute jemand fragt, wie meine Kinder so geworden sind, wie sie sind, dann muss ich bei unserem Bruno anfangen.












